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Liedtext

Der Abschied am Kai

V.R.E.K.A. Sagen, Salz & Sehnsucht Deutsch
Der Tag stand schon lange im Kalender. Doch keiner war für heut bereit. Sein Seesack lehnte am Geländer. Das Schiff lag zur Abfahrt längst bereit. Der Junge hielt ihn an der Jacke. Das Mädchen schwieg und sah hinaus. Sie strich die Falte von der Schulter, als bliebe er dadurch zu Haus. Vom Deck her kam ein kurzer Ruf. Das Horn lag tief über dem Kai. Er küsste Stirn und Haar und Mund, als riss der Abschied ihn entzwei. Noch hielt die Leine Schiff und Land. Noch war der Abstand kaum zu sehen. Dann glitt das Tau aus seiner Hand. Und alles fing sich an zu drehen. Die Häuser sanken hinter Masten. Der Kai verlor sich Stück für Stück. Er sah sie noch am Ufer warten. Wie gern nähm er den Weg zurück. Der Junge schwenkte seine Mütze. Das Mädchen hielt die Mutter fest. Sie winkte weiter, immer weiter, obwohl die Kraft sie schon verlässt. Er blieb noch lange an der Reling, bis ihr rotes Kleid im Dunst verschwand. Dann lag nur Wasser zwischen ihnen und hinter ihm das leere Land. Fahr nicht so weit, dass nichts mehr bleibt. Komm heim, bevor die Zeit uns teilt. Wir tragen dich durch jede Nacht, bis deine Hand die Tür aufmacht. Wir decken morgens für dich mit, als kämst du jeden Augenblick. Die Kinder lassen abends Licht und löschen es beim Schlafen nicht. Der Morgen kam, als wär nichts anders. Doch jeder Weg schien doppelt weit. Sie trug das Holz, sie hielt das Haus und fand zum Klagen keine Zeit. Der Junge holte Holz und Wasser. Das Mädchen half ihr Stück für Stück. Sie wurden groß in diesen Wochen und schauten oft zur Tür zurück. Sie schafften jeden Tag gemeinsam, nicht leicht, doch meistens gut genug. Wenn einer abends müde wurde, war da noch einer, der ihn trug. Sie lernten ohne ihn zu tragen, was früher auf zwei Schultern lag. Doch keiner lernte, ihn zu missen. Sie warteten von Tag zu Tag. Fahr nicht so weit, dass nichts mehr bleibt. Komm heim, bevor die Zeit uns teilt. Wir tragen dich durch jede Nacht, bis deine Hand die Tür aufmacht. Wir decken morgens für dich mit, als kämst du jeden Augenblick. Die Kinder lassen abends Licht und löschen es beim Schlafen nicht. Wir tragen dich durch jede Nacht, Bis deine Hand die Tür aufmacht.